11. März 2026 |
„Wir suchen Deutschlands hässlichstes Garagentor“
MarketingFrauen beim Netzwerken Foto: KI generiert
Stammtisch der MarketingFrauen
(Bielefeld, 11. März 2026) Einmal im Quartal treffen sich die MarketingFrauen im Leinewebersaal des Hofbräu am Alten Rathaus in Bielefeld. „Eigentlich brauchen wir ja keinen Impulsvortrag als Icebreaker, ihr seid ja schon im lebhaften Austausch“, stellt Kristina Herrmann, Initiatorin des Stammtisches und Programmplanerin des Marketing Clubs Ostwestfalen-Lippe, mit Blick in die Runde fest. Aber die Frauen wollten unbedingt mehr über die Kampagne „Wir suchen Deutschlands hässlichstes Garagentor“ erfahren.
Dass Mut zur Improvisation im Marketing manchmal Berge versetzen kann, zeigte Kristina Herrmanns Vortrag sehr eindrücklich. Die Marketing-Managerin von Teckentrup Door Solutions, einer der führenden europäischen Hersteller von Türen und Toren, gab interessante Insights in die Kampagne, die bereits durch ihren Titel Aufmerksamkeit erzeugte: „Deutschland sucht das hässlichste Garagentor“. Was zunächst humorvoll klingt, entwickelte sich für den Torhersteller Teckentrup zu einem aufschlussreichen Experiment über Reichweite, Authentizität und die Realität moderner Social-Media-Kommunikation.
Die Idee: Einfach das eigene oder fremde Garagentor fotografieren und hochladen. Alte, rostige und verbeulte Garagentore hatten dabei die besten Chancen, zum hässlichsten Tor gewählt zu werden. Eine erste Version der Aktion hatte bereits 2024 stattgefunden, damals noch mit einer Medienpartnerschaft und klassischen Reichweitenversprechen. Der Erfolg blieb jedoch überschaubar. Rund hundert Einsendungen gingen ein – solide, aber weit hinter den Erwartungen zurück. „Wir hatten uns ehrlich gesagt mehr versprochen“, erinnerte sich Kristina. Als die Unternehmensleitung kurzfristig entschied, die Kampagne neu aufzulegen, begann ein ambitioniertes Projekt unter enormem Zeitdruck: Start im Oktober 2025, Konzeptentwicklung mitten im Sommer.
„Die Hook muss sofort am Anfang kommen“
Statt erneut auf externe Partner zu setzen, fiel die strategische Entscheidung, die Kampagne weitgehend selbst umzusetzen und stärker auf Social Media auszurichten. Ergänzt wurde das Konzept durch ein Testimonial mit hoher Bekanntheit in der Zielgruppe der Hausbesitzer und Modernisierer. Die Wahl fiel auf Moderatorin Panagiota Petridou, vielen vor allem aus der VOX-Doku-Soap „Biete Rostlaube, suche Traumauto“ bekannt. Doch schnell zeigte sich, dass Reichweite allein keine Beteiligung garantiert. Die ersten Wochen verliefen zäh, Einsendungen trafen nur vereinzelt ein. Der Wendepunkt kam mit einer Erkenntnis, die heute fast banal wirkt: Authentizität schlägt Perfektion. Weil zusätzlicher Content benötigt wurde, begann das Marketing-Team kurzerhand selbst zu filmen – mit Smartphone, ohne großes Setup, direkt vor Garagentoren im Alltag. Kristina stellte sich dafür sogar selbst vor die Kamera. „Es hat mich erst etwas Überwindung gekostet. Das sollte wirklich hemdsärmelig sein“, sagte sie rückblickend. „Handykamera und einfach machen. Ein wichtiges Learning dabei: Menschen wollen Menschen sehen.“ Videos mit klarer Botschaft und direktem Einstieg performten deutlich besser als aufwendig gestaltete Varianten. „Die Hook muss direkt am Anfang kommen“, erklärte die erfahrene Marketing-Managerin. Zusammen mit dem Call to Action: „Du hast ein hässliches Tor, mach mit!“
Kleines Budget, große Wirkung
Als zusätzlich Werbeanzeigen geschaltet und mehr Content ausgespielt wurde, nahm die Kampagne spürbar Fahrt auf. Mit einem kleinen Werbebudget erzielte das Team innerhalb weniger Wochen fast fünf Millionen Views über verschiedene Kanäle hinweg. Besonders erfolgreich war die Kategorie „eigene Garagentore“: Mehr als 400 Einsendungen gingen ein. Überraschend stark fiel die Beteiligung zwischen Weihnachten und Silvester aus. „Da hatten die Leute offenbar endlich Zeit – und plötzlich kamen fast hundert Einreichungen in wenigen Tagen.“
Die Kampagne arbeitete mit zwei Teilnahmewegen: Eigentore, bei denen Besitzer ein neues Tor gewinnen konnten, sowie Fremdtore, die im Rahmen der Panoramafreiheit fotografiert werden durften. Während letzteres niedrigschwellig gedacht war, erwies sich der persönliche Bezug als entscheidender Motivationsfaktor. Die Fremdtor-Kategorie blieb trotz der ausgelobten Gewinne (Bike von Rose, iPhone sowie eine Ray-Ban-Meta-Sonnenbrille) deutlich hinter den Erwartungen zurück und soll künftig entfallen.
Lessons learned
Neben Reichweite, Markenbekanntheit und 400 qualifizierten Kontakten – und damit potenziellen Kunden – brachte die Aktion vor allem wertvolle Erkenntnisse. Die „heißen Leads“ sollen künftig besser genutzt werden, dazu müssen beim nächsten Mal die Teilnahmebedingungen geändert werden. Trotz – oder gerade wegen – solcher Lernmomente bewertet Kristina Herrmann die Kampagne als großen Erfolg. Für ein mittelständisches Unternehmen ohne riesiges Werbebudget sei kreative Aufmerksamkeit entscheidend. Humor, Nahbarkeit und ein gewisser Mut zur Selbstironie hätten mehr Wirkung gezeigt als klassische Hochglanzkommunikation. „Hochglanz habe ich im Prospekt“, fasste sie zusammen. „Auf Social Media darf es ruhig handgemacht aussehen.“
Die Aktion soll deshalb fortgesetzt werden – künftig früher geplant, strategischer vorbereitet und mit noch mehr intern produziertem Content. Ziel ist es, die Marke dauerhaft mit der ungewöhnlichen Suche nach Deutschlands hässlichstem Garagentor zu verbinden. Ein Ansatz, der zeigt, dass wirksames Marketing nicht zwingend große Budgets braucht, sondern vor allem eine klare Idee, Lernbereitschaft und den Mut, Dinge einfach auszuprobieren.
Nach dem spannenden Impulsvortrag gab es reichlich Gelegenheit zum Austausch in lockerer Runde. Die MarketingFrauen berichteten von eigenen Erfahrungen und profitierten vom Wissen anderer. Der Grundgedanke eines starken Netzwerkes.
Text: Eike Birck, freie Journalistin & Autorin, Tips-Verlag
Fotos: Kristina Herrmann