9. März 2026 | Lucky Bike, Sunderweg 1, 33649 Bielefeld
Von 0 auf 2 Millionen JobRäder auf Deutschlands Straßen
Zu Besuch bei Lucky Bike in Bielefeld zum Thema JobRad. (v.l.: Joachim Rubel von JobRad, Dietmar Eickelmann und Olaf Westerwelle von Lucky Bike Bielefeld, Kristina Herrmann, Daniela Köller, André Mielitz, Daniel Klarhorst) Foto: Sarah Jonek
Der Weg vom Start-up zum Marktführer
(Bielefeld, 9. März 2026) „Wohl kaum jemand hätte gedacht, welch außergewöhnliche Location sich auf der Galerie in der ersten Etage des Fahrradfachhandels Lucky Bike verbirgt“, sagt die neue MC Geschäftsführerin Daniela Köller. Unten stehen die schicken Räder, oben befindet sich nicht nur eine Eventfläche samt Kicker – hier wird auch die gesamte Logistik rund ums Rad abgewickelt. Der perfekte Ort für die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste des Marketing Clubs Ostwestfalen-Lippe, um von Joachim Rubel – Key-Account-Berater der Region Mitte bei JobRad – mehr über die Erfolgsstory des Freiburger Start-ups zu erfahren.
Joachim Rubel ist leidenschaftlicher Radfahrer und hat vor fünf Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach über zwei Jahrzehnten in Führungspositionen, unter anderem bei Arvato und der NW-Mediengruppe, wechselte er 2021 bewusst in die Mobilitätsberatung. Zum „Erfinder des Prinzips Dienstrad“: JobRad. Heute begleitet er Unternehmen dabei, nachhaltige Lösungen strukturiert einzuführen – von der ersten Analyse bis zur langfristigen Integration in die Unternehmenskultur. Für Joachim Rubel ist das Thema mehr als ein Geschäftsmodell. Der gebürtige Lipper lebt die Idee moderner Mobilität täglich selbst – rund um seine Heimat am Hermannsdenkmal.
„JobRad ist Tempo“
Die Anfänge von JobRad liegen – wie es sich für ein Start-up gehört – im Wohnzimmer der Gründer Ulrich und Sandra Prediger aus Freiburg. Aus der eigenen Liebe zum Rad entwickelten sie ein Modell, über das Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden Fahrräder zum Leasen zur Verfügung stellten – ähnlich wie bei Dienstwagen. Die ersten Jahre liefen nicht besonders gut, etwas Schwung brachte das Jahr 2012, als das Bundesfinanzministerium die steuerliche Gleichstellung von Dienstfahrrädern mit Dienstwagen ermöglichte. Was zunächst erklärungsbedürftig war, entwickelte sich Schritt für Schritt zum Massenphänomen. Lange habe das Unternehmen vor allem Aufklärungsarbeit leisten müssen: „Wir waren der Erklärbär“, sagte Joachim Rubel rückblickend – viele Firmen mussten erst verstehen, wie das Modell funktioniert. Heute gilt JobRad als Synonym für Dienstradleasing in Deutschland – wie Tempo bei Papiertaschentüchern. Der Durchbruch gelang 2015: Die Deutsche Bahn stieg ein und auf einmal ging es nicht nur um ein paar geleaste Räder, sondern um 100.000. Im Zuge der Corona-Pandemie entstand ab 2020 ein Fahrrad-Hype; die Lager des Fachhandels waren zwischenzeitlich regelrecht leergefegt. 2021 ging JobRad Österreich an den Start und 2023 waren 1.000 Menschen bei JobRad beschäftigt und das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Doch der Rad-Hype hatte seinen Peak erreicht. In den vergangenen Jahren blieben die Zahlen zwar stabil, „aber wir haben mit Blick auf die Personalentwicklung zu spät die Reißleine gezogen“, berichtet der Key-Account-Berater. 107 Mitarbeitende wurden entlassen – für das Freiburger Unternehmen „eine schwere Zeit“.
Win-win-win-Situation
„JobRad ist so erfolgreich, weil alle profitieren“, ist Joachim Rubel überzeugt. „Arbeitnehmende, Unternehmen und die Umwelt – und damit die gesamte Gesellschaft.“ Heute nutzen mehrere Millionen Beschäftigte in Deutschland ein Dienstrad. JobRad hat mit 2 Millionen Rädern und der Kooperation mit rund 100.000 Unternehmen einen Marktanteil von 46 Prozent. Insgesamt erfolgt das Dienstradleasing zu mehr als 80 Prozent über den stationären Fachhandel, ein Kooperationspartner ist hierbei Lucky Bike.
Unternehmen können neben dem Gehalt ein zusätzliches attraktives Benefit anbieten. Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte spiele das eine wachsende Rolle. JobRad gehöre inzwischen regelmäßig zu den drei beliebtesten Zusatzleistungen in Unternehmen.
Positive Effekte zeigen sich auch intern: mehr Bewegung, weniger Krankentage und eine stärkere Identifikation mit dem Arbeitgeber. Gleichzeitig entstehen neue soziale Dynamiken, etwa informelle Fahrrad-Communitys. Davon berichtete Andreas Fox, bei der Dr. Oetker Gruppe zuständig für JobRad. Für große Unternehmen richtet JobRad ein Portal ein, über das die Bearbeitung eines Leasingsantrags nur etwa drei Minuten dauert. Die digitalen Prozesse sollen dafür sorgen, dass Unternehmen für diesen Mitarbeiter-Benefit kaum Zeit investieren müssen. „Zugleich sparen sie noch monatlich 20 Euro pro geleastes Rad an Sozialversicherungsbeiträgen. Für Unternehmen ist das ein kostenneutraler Benefit“, betont Joachim Rubel.
„Alle mögen den SC Freiburg“
Für Arbeitnehmer liegen die Vorteile vor allem in finanzieller Entlastung. Durch steuerliche Effekte und Arbeitgeberzuschüsse können hochwertige Fahrräder deutlich günstiger genutzt werden. Die Kosten verteilen sich auf monatliche Raten. Häufig übernimmt der Arbeitgeber die Vollkaskoversicherung und/oder andere Serviceleistungen. Viele Beschäftigte erfüllen sich dadurch erstmals den Wunsch nach einem hochwertigen E-Bike – mittlerweile beträgt der Anteil der E-Bikes beim Leasing über JobRad 80 Prozent – oder ein schickes Rennrad, das sowohl im Alltag als auch in der Freizeit genutzt wird. Bis zu 40 Prozent lassen sich im Vergleich zum Direktkauf sparen. Wie hoch die Einsparung tatsächlich ist, hängt von der Steuerklasse und anderen Faktoren ab. Mit einem „JobRad-Vorteilsrechner“ lässt sich die Summe vorab ermitteln.
Seit drei Jahren ist JobRad Hauptsponsor des SC Freiburg. Der Bundesligaverein ist ein Sympathieträger und steht wie kaum ein anderer für Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit – Eigenschaften, die gut zur Markenidee passen. Spieler, die in Werbespots mit dem Fahrrad zum Training fahren, wurden zu Botschaftern einer neuen Mobilitätskultur.
Gerade hat JobRad eine neue Kampagne gestartet: Der Slogan „Life is a beautiful ride“ zielt auf das Thema Lebensfreude ab. Der Vortrag bot viel Stoff für angeregte Gespräche und einige Anekdoten rund um das Rad. Für ein tolles Büfett und kühle Getränke sorgte das Team von Lucky Bike.
Text: Eike Birck, Redakteurin Tips Verlag
Fotos: Sarah Jonek, Sarah Jonek Fotografie – Fotografin aus Bielefeld, Sarah Jonek | LinkedIn




















































