Rückblick
16. September 2026 | Leinewebersaal, Hofbräu am Alten Rathaus, Niederwall 25, 33602 Bielefeld

Vom dunkelsten Moment zur eigenen Stärke

v.l. Kristina Herrmann vom Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V. mit Laura Scott Foto: Sarah Jonek

Über den Mut, die eigene Geschichte neu zu schreiben

(Bielefeld, 16. September 2026) „Heute geht es nicht um ein konkretes Marketing-Thema, sondern um Persönlichkeitsentwicklung“, stimmt Programmplanerin Kristina Herrmann die MarketingFrauen im Leinewebersaal ein. Für den Impulsvortrag hat sie Laura Scott eingeladen. Die 32-Jährige nimmt die Runde mit auf ihren persönlichen Weg – und auf die Frage, wie sich alte Muster durchbrechen und neue Stärke entwickeln lässt.

Laura Scott ist Mutter, betreibt Kampfsport und hat zwei Unternehmen gegründet. „Das sieht sehr geradlinig aus und richtig schicki“, sagt sie – und schiebt direkt hinterher: „Ist es aber nicht.“ Ihr Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. Sie berichtet von schwierigen Familienverhältnissen und von einer Teenager-Zeit ohne Orientierung. Nach der 9. Klasse verließ sie die Schule, begann eine Ausbildung und brach sie wieder ab. „Ich habe mich nie richtig gefunden und mich mit Menschen betäubt“, erinnert sie sich. Ablenkung, Trubel und ständig etwas um die Ohren zu haben, wurden zu einer Art Schutz, um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Bis irgendwann nichts mehr ging. Vor rund zehn Jahren erreichte sie einen persönlichen Tiefpunkt und erkrankte schwer an Depressionen. „Es stand wirklich auf der Kippe.“ 

Eine kleine, unscheinbar wirkende Situation wurde schließlich zu einem Wendepunkt. Während der Corona-Zeit, als viele der gewohnten Ablenkungen wegfielen, saß Laura Scott allein zu Hause. Draußen war es kalt und regnerisch. Dann riss der Himmel auf und ein Sonnenstrahl fiel auf ihre Haut. „Das war das erste Mal nach anderthalb Jahren, dass ich wieder etwas empfunden habe“, erzählt sie. „Denn irgendwann spürt man gar nichts mehr, nicht einmal den Schmerz.“ Die Wärme, ein Gefühl von Nähe, ein kurzer Moment von Leben. Für sie war es ein Zeichen, dass da offenbar noch etwas in ihr war, das sie wiederfinden konnte.

„Es ist egal, wer ihr gestern wart“

Was folgte, war kein plötzlicher Neuanfang, sondern ein längerer Prozess. Laura Scott begann, sich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Menschen in negative Gedankenspiralen geraten, warum wir uns selbst kleinmachen und wie Gedanken unser Erleben beeinflussen. Sie beschäftigte sich mit Spiritualität, verschiedenen Religionen, Philosophie und dem menschlichen Gehirn. Dabei entwickelte sie eine Haltung, die sie auch den MarketingFrauen als ermutigendes Signal mitgeben möchte: „Es ist egal, wer ihr gestern wart, entscheidend ist, wer ihr morgen sein wollt.“

Laura Scott nennt dieses Konzept ihr „höheres Ich“: die Vorstellung von der Person, die man sein möchte – nicht äußerlich, sondern vor allem in der eigenen Haltung. Wie fühlt diese Frau? Wie reagiert sie auf schwierige Situationen? Wie geht sie mit Herausforderungen um? Und was würde sie tun, wenn sie sich nicht von alten Mustern und Grenzen aufhalten ließe? „Wir denken jeden Tag die gleichen Gedanken, wir fühlen dieselben Gefühle und wir schreiben immer wieder die gleiche Geschichte“, beschreibt sie. „Aber wir können diese alten Muster durchbrechen und unsere Komfortzone verlassen. Ich war der undisziplinierteste Mensch und habe nichts auf die Reihe bekommen. Das kann man ändern. Wenn negative Gedanken krank machen können, lassen sie sich auch positiv steuern.“ Dabei möchte die 32-Jährige ihre eigene Geschichte nicht als allgemeingültiges Rezept verstanden wissen. Jeder und jede müsse den eigenen Weg finden.

Auch Zweifel und herausfordernde Tage gehören für sie weiterhin dazu. „Die Akzeptanz, dass das Leben in Wellen kommt, hilft mir ungemein“, sagt Laura Scott. Schwierige Phasen gehen vorüber, glückliche auch.

„Ich mag Druck“

Wie aus dieser Haltung schließlich unternehmerischer Mut wurde, erzählt Laura Scott ebenso offen. Nach einer Online-Weiterbildung im Marketing begann sie, sich vieles selbst beizubringen. Sie fragte Menschen, ob sie von ihnen lernen, zuschauen oder Fragen stellen durfte. „Wir haben immer diese Hemmschwellen. Wir fragen nicht. Wir nutzen unser Netzwerk ja nicht, vor allem wir Frauen“, sagt sie. Das hat sie geändert. Von zu Hause aus gründete sie ihr erstes Unternehmen zunächst breit aufgestellt für viele Branchen. Später entdeckte sie das Handwerk als ihre Nische. Und war wieder mutig. Sie kündigte bestehende Verträge, spezialisierte sich und entwickelte mit ihrem Team eine Agentur, die Handwerksunternehmen vor allem bei Recruiting und Social Media unterstützt. „Wir machen das Handwerk wieder sexy“, lautet ihr selbstbewusster Anspruch.

Als Unternehmerin kennt Laura Scott stressige Phasen und lange Tage. Sie spricht über große Projekte, hohe Verantwortung und Situationen, in denen das Telefon früh morgens klingelt und Verhandlungen bis spät in die Nacht dauern. Was sich verändert habe, sei weniger die Arbeitsbelastung als ihre Bewertung davon. „Ich mag den Druck mittlerweile, ich mag diesen Stress“, erzählt sie lachend. „Ich bin eine Problemlöserin.“ Wenn Probleme kommen, werden sie gelöst. Und wenn Hilfe nötig ist, gibt es Menschen und ein Netzwerk, auf das man zurückgreifen kann. „Macht euch nicht klein“, lautet ihre Aufforderung an die Runde.

Den Blick verändern

Für Laura Scott liegt ein wesentlicher Schlüssel zu mehr innerer Stärke darin, nicht alles kontrollieren zu wollen, sondern den eigenen Umgang mit dem Unvermeidlichen zu verändern. Dabei fordert sie die MarketingFrauen auf, sich selbst genau zu beobachten: Welche Gedanken tauchen in schwierigen Situationen automatisch auf? Welche Grenzen setzen wir uns selbst? Und wer möchten wir sein? „Gibt eurem Hirn Futter, wie ihr denken wollt“, sagt sie. Laura Scott hat ihren Weg nicht geradlinig zurückgelegt. Aber gerade darin liegt die Kraft ihrer Geschichte. „Ihr habt keine Limits“, sagt sie. Eine Botschaft, die Mut macht, die eigene Stärke zu entwickeln.

Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin; eike.birck@tips-verlag.de 

Fotos: Sarah Jonek, www.jonek-fotografie.de