Rückblick
11. Mai 2026 | LENKWERK Bielefeld, Am Stadtholz 24-26, 33609 Bielefeld

Talent bringt dich ins Cockpit – Marketing gewinnt

v.l.: Osman Tüccaroglu (Manager von Rennfahrer Gian Luca Tüccaroglu), Matthias Windolph (Geschäftsführer von HOTSUSHI.BRAND.GmbH & Co. KG), Markus Hirschmeier (Geschäftsführer von Hirschmeier Media GmbH & Co. KG), Gian Luca Tüccaroglu (Porsche Carrera Cup Deutschland Rennfahrer) mit Kristina Herrmann (Programmplanerin des Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V.)

Rennsport ist ein Spiel der Sekunden. Marketing auch.

(Bielefeld, 11. Mai 2026) Umgeben von Oldtimern und schicken Youngtimern bot das LENKWERK Bielefeld die passende Location für das Thema des Abends. Zu Gast waren der 20-jährige Rennfahrer Gian Luca Tüccaroglu und sein Vater und Manager Osman Tüccaroglu, die sehr persönliche Einblicke in den Hochgeschwindigkeitssport gaben. Nicht nur Talent und Trainingsfleiß entscheiden über den Erfolg, sondern Sichtbarkeit und damit auch Sponsoren. Über die Marketingstrategie berichteten Markus Hirschmeier von Hirschmeier Media GmbH & Co. KG sowie Matthias Windolph von HOTSUSHI.BRAND GmbH & Co. KG.

Zum Auftakt führte Geschäftsführerin Kerstin Borchard durch das LENKWERK, das in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feiert. Es kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Im Dezember 1938 begannen am Stadtholz in Bielefeld auf einem Areal von über 62.000 m² die Arbeiten für das geplante Bekleidungsamt der Luftwaffe. Nach dem Krieg wurde das Gebäude bis zum Jahr 1992 von der Britischen Rhein-Armee als eines ihrer wichtigsten Nachschublager und Logistikzentren in Deutschland genutzt. 1994 wurde der Gebäudekomplex dann aufgrund seiner für die 1930er Jahre charakteristischen Formensprache und seiner infrastrukturellen Bedeutung als „steinernes Zeitzeugnis“ unter Denkmalschutz gestellt. Einige ausgestellte Exponate zeigen Vergangenes, z. B. eine Rohrpostsendung, die bei den einjährigen Bauarbeiten gefunden wurde. Heute beherbergt das Lenkwerk insgesamt rund 40 Mieter. Das Erdgeschoss ist öffentlich zugänglich. Im Keller hat die Stadt Bielefeld auf rund 5.000 Quadratmetern Exponate zur Stadtgeschichte eingelagert, darunter ein alter Webstuhl. In den oberen Etagen befinden sich Büroräume, Eventflächen, Tagungsräume und Gastronomie.

Der Traum: Werksfahrer bei Porsche

Apropos: Zum anschließenden Vortrag ging es in die erste Etage in der Galerie. Dort wurde schnell deutlich, dass moderner Motorsport längst nicht mehr nur auf der Rennstrecke stattfindet. Markus Hirschmeier und Matthias Windolph beschrieben ihre Rolle als Lead-Agentur von Gian Luca Tüccaroglu als Schnittstelle zwischen sportlicher Höchstleistung, Markenaufbau und digitaler Kommunikation. Ihre Aufgabe sei es, Performance sichtbar zu machen und sportliche Erfolge in Wahrnehmung, Reichweite und Vertrauen zu übersetzen. Strategie, Visualität und digitale Infrastruktur müssten dabei wie bei einem perfekten Boxenstopp ineinandergreifen.

Wie außergewöhnlich Gian Lucas Weg in den Motorsport verlief, schilderten Vater und Sohn anschließend in einer unterhaltsamen Talkrunde mit Matthias Windolph. Eigentlich war der gebürtige Bielefelder talentierter Fußballtorwart, bevor ihn die Leidenschaft für schnelle Autos packte. Mit gerade einmal 15 Jahren saß er erstmals in einem Rennwagen – und überzeugte sofort. Osman Tüccaroglu, selbst lange Jahre erfolgreicher Rennfahrer, erkannte das Talent seines Sohnes sofort. 2022 gewann Gian Luca Tüccaroglu als jüngster Fahrer überhaupt den Gesamtmeistertitel im Porsche Sports Cup. Es folgten weitere Erfolge und schließlich der Aufstieg in den Porsche Sixt Carrera Cup Deutschland, eine der härtesten Markenrennserien weltweit. „Mein Traum ist es, Werksfahrer bei Porsche zu werden“, sagte Gian Luca Tüccaroglu. 2026 bestreitet er bereits seine dritte Saison im Cup.

Akribische Detailarbeit

Dass im professionellen Motorsport winzige Details über Sieg oder Niederlage entscheiden, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Im Porsche Carrera Cup fahren alle Teams technisch identische Porsche 911 Cup Fahrzeuge. Dennoch liegen zwischen dem ersten und dem letzten Platz oft nur wenige Zehntelsekunden. Kleinste Unterschiede können entscheidend sein: ein minimal beschädigtes Karosserieteil oder ein verändertes Spaltmaß im Millimeterbereich. Wer es sich leisten kann, bereits im Training mit neuen Reifen zu fahren, verschafft sich Vorteile für Qualifying und Rennen. Allerdings kostet ein neuer Satz Reifen rund 2.500 Euro. Das liegt für Gian Luca noch in weiter Ferne – diesen Wettbewerbsnachteil muss er mit Talent und Trainingsfleiß ausgleichen. Entsprechend professionell ist auch das Team um den jungen Rennfahrer aufgestellt.  Neben zwei Ingenieuren und zwei Mechanikern gehören Mentaltrainer, Fitnesscoaches und Datenanalysten längst selbstverständlich dazu. Gian Luca Tüccaroglu absolviert täglich rund anderthalb Stunden spezielles Mental- und Reaktionstraining. Unterstützt wird er zudem von „Fit for Race“ aus Budapest. Ein Tracker überwacht Schlaf, Belastung und Fitnesswerte. „Wenn etwas nicht passt, kommt direkt ein Anruf“, erzählte der Rennfahrer lachend. Ziel sei es, die maximale Leistung genau im entscheidenden Moment abrufen zu können.

Kollisionen gehören dazu

Die körperliche und mentale Belastung an den Rennwochenenden ist enorm. Die Rennen dauern zwar nur 30 Minuten, doch die Leistungsdichte ist hoch. Überholmanöver erfolgen oft mit minimalem Abstand, leichte Kollisionen sind beinahe selbstverständlich. Die Mechaniker arbeiten häufig über Nacht daran, Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu machen. Denn selbst kleine Schäden beeinflussen die Aerodynamik und kosten Zeit.

Neben der Leistung auf der Strecke spielt die mediale Präsenz eine immer größere Rolle. Gian Luca berichtete von Media-Trainings und Interview-Workshops, die heute zum Alltag gehören. Für Social Media müssen Antworten präziser und kompakter formuliert werden als für klassische Fernsehinterviews. Hinzu kommen eigene Kanäle, Sponsorentermine, Content-Produktion und die Kommunikation mit Fans und Partnern über Social Media oder WhatsApp-Gruppen. „Leistung muss heute nicht nur erbracht, sondern auch sichtbar gemacht werden“, brachte Markus Hirschmeier den Wandel auf den Punkt. Ohne Sponsoren wäre professioneller Motorsport kaum finanzierbar. Rund 20 Partner unterstützen Gian Luca Tüccaroglu derzeit. Das Saisonbudget liegt bei etwa 500.000 bis 600.000 Euro – andere Teams investieren mehrere Millionen Euro pro Jahr. Kommt es zu größeren Schäden oder gar Totalschäden, steigen die Kosten nochmals erheblich. Umso wichtiger ist es für Osman Tüccaroglu, den Sponsoren mehr als reine Werbeflächen zu bieten. Modellautos, exklusive Frühstücke oder Hospitality-Tickets gehören ebenso dazu wie persönliches Networking. „Wir wollen etwas zurückgeben“, betonte Osman Tüccaroglu. „Wir bieten eine Plattform und sind offen für die Ideen unserer Sponsoren.“

Außergewöhnliche Erlebnisse: Adrenalin & Tempo

Für Unternehmen ist vor allem der Imagetransfer interessant. Die Verbindung zur Premiummarke Porsche, exklusive Einblicke hinter die Kulissen sowie der Zugang zu einem hochwertigen Netzwerk schaffen Mehrwerte weit über klassische Werbung hinaus. Dabei achtet Osman Tüccaroglu bewusst darauf, dass die Sponsoren auch menschlich zueinander passen. Die Atmosphäre soll familiär bleiben.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielte eine Rolle. Im Carrera Cup wird inzwischen mit synthetisch hergestelltem E-Fuel gefahren. Der Kraftstoff kostet derzeit rund acht Euro pro Liter, Porsche beteiligt sich jedoch an den Mehrkosten. Laut Hersteller können dadurch rund 70 Prozent CO2 eingespart werden. Für viele Sponsoren sei dies ein wichtiges Signal. „Viele Marken, die sich aus dem Rennsport zurückgezogen haben, kehren jetzt wieder zurück“, berichtete Osman Tüccaroglu.

Zum Abschluss gab es noch einen besonderen Ausblick: Wer selbst einmal bei Gian Luca oder Osman Tüccaroglu im Rennauto Platz nehmen möchte, erhält dazu am 12. September 2026 Gelegenheit. Das Porsche Zentrum Paderborn lädt Mitglieder des Marketing Clubs Ostwestfalen-Lippe auf den Bilster Berg bei Bad Driburg ein. Eine schnelle Anmeldung empfiehlt sich.

Beim anschließenden Get-together nutzten die Gäste nicht nur die Gelegenheit zum intensiven Austausch, sondern konnten Lachs-Spezialitäten von LandLachs GmbH & Co. KG probieren – nachhaltiger Lachs aus landbasierter, geschlossener Aquakultur.

Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin; eike.birck@tips-verlag.de 

Fotos: Sarah Jonek, LinkedIn-Profil, www.jonek-fotografie.de