Rückblick
16. März 2026 | Böllhoff Gruppe, Archimedesstr. 1, 33649 Bielefeld

Authentische Stimmen, starke Wirkung

v.l.: Michael Lorenz von KUNDENFOKUSSIERT GmbH und Frank Nientiedt von der Böllhoff Gruppe mit Kristina Herrmann, Programmplanerin und Sabine Schoner, Präsidentin des Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e.V.

Employer Branding und Recruiting bei der BÖLLHOFF Gruppe

(Bielefeld, 16. März 2026) Es ist ein besonderer Ort – auf rund 1.600 Quadratmetern investiert das Familienunternehmen BÖLLHOFF ganz bewusst in Menschen. In Ausbildung und lebenslanges Lernen. Im neuen Bildungscampus begrüßte MC Programmplanerin Kristina Herrmann die zahlreichen Mitglieder und Gäste des Marketing Clubs Ostwestfalen-Lippe, die mehr über Employer Branding und Recruiting des Hidden Champions erfahren wollten.

„Hidden“ ist hier ganz wörtlich zu nehmen. Denn die Verbindungstechnik des Bielefelder Unternehmens, das mit 3.300 Mitarbeitenden in 26 Ländern vertreten ist, findet sich in sehr vielen Gegenständen, die wir täglich nutzen – zum Beispiel in Kaffeemaschinen oder Autos. 20 Millionen Verbindungselemente werden täglich in den 15 Produktionsstätten weltweit gefertigt. Der Bestseller ist der Helicoil-Gewindeeinsatz, der bereits 1969 in der Mondfähre verwendet wurde, mit der die Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins Geschichte schrieben. „Heute sind beispielsweise 12.000 Helicoils im Airbus A380 verbaut, um die Turbinen zu panzern“, erklärt Frank Nientiedt, der seit 2002 bei der BÖLLHOFF Gruppe in verschiedenen Leitungspositionen im Marketing/Corporate Marketing tätig ist. Seit 2019 verantwortet er Employer Branding und Recruiting, seit der Eröffnung im Herbst 2025 zusätzlich auch den Bildungscampus.

Azubis im Fokus

Zusammen mit Michael Lorenz, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur KUNDENFOKUSSIERT berichtet er, wie BÖLLHOFF über Azubi-Marketing auf Instagram, einen von einer Auszubildenden moderierten Podcast und ein Corporate-Influencer-Programm das Employer Branding des Traditionsunternehmens stärkt. Eine Strategie, die vor allem auf eines setzt: authentische Stimmen aus dem Unternehmen selbst. Kennengelernt haben sich beide vor rund sechs Jahren über ein gemeinsames Projekt im Recruiting-Kontext. Während der Corona-Zeit entstand daraus sogar ein gemeinsames Buchprojekt zum digitalen Recruiting. „Wir haben damals gemerkt, wie gut unsere Perspektiven zusammenpassen“, erinnert sich Michael Lorenz. „Aus der Zusammenarbeit wurde schnell mehr als ein klassisches Kunden-Dienstleister-Verhältnis.“ Heute verbindet sie eine Reihe erfolgreicher Projekte – angefangen hat es mit dem Azubi-Marketing auf Instagram.

Handgemacht statt Hochglanz

Der Impuls kam ursprünglich aus dem Unternehmen selbst: Auszubildende überzeugten die Geschäftsleitung, auf Instagram aktiv zu werden. „Als Marketingverantwortlicher hätte ich früher gesagt: Unsere Kunden sind dort nicht“, so Frank Nientiedt. „Als Arbeitgeber ist das aber genau der richtige Ort – dort sind die jungen Talente.“

Seit sechs Jahren gestalten die Auszubildenden den Kanal eigenverantwortlich – von der Themenidee über Aufnahme und Schnitt bis zur Veröffentlichung. Agenturperfektion ist bewusst nicht das Ziel. „Die Gen Z erwartet authentische Einblicke in die Unternehmen. Und niemand kann besser zeigen, wie Ausbildung wirklich ist, als die Azubis selbst“, betont Michael Lorenz. Zusammen mit der Agentur hat BÖLLHOFF Leitplanken definiert und Coachings durchgeführt – etwa zu Fotografie, Tonalität oder zum Aufbau von Postings. Lustiger Content ist dabei nicht alles. Auf die Mischung kommt es. Das Team veröffentlicht ein bis zwei Postings pro Woche. Der Mut, Verantwortung abzugeben, zahlt sich aus: Mehr als 2.700 Follower, rund 12.000 Likes und ein Wachstum von zuletzt 19 Prozent zeigen die kontinuierliche Entwicklung. Etwa 73 Beiträge pro Jahr geben Einblicke in Arbeitsalltag, Events oder persönliche Geschichten. Besonders wertvoll: Viele Bewerbende geben inzwischen an, BÖLLHOFF bereits über Instagram kennengelernt zu haben. Seit der Einführung des Kanals vor sechs Jahren konnte das Unternehmen deutlich mehr Bewerbungen in den relevanten Zielgruppen verzeichnen. „Am Anfang hatten wir großen Respekt davor, die Kontrolle abzugeben“, resümiert Frank Nientiedt. „Heute sehen wir: Genau das macht den Erfolg aus.“ Ein Erfolg, der nach außen, aber mindestens genauso stark nach innen in die Belegschaft hinein wirkt.

Corporate Podcast: Zuhören statt Scrollen

2023 erweiterte BÖLLHOFF seine Employer-Branding-Aktivitäten um ein Format, das bewusst auf Tiefe statt Geschwindigkeit setzt: den Corporate Podcast „Böllhoff Insider“. Moderiert von einer Auszubildenden. Die 1. Staffel mit 17 Folgen moderierte Laura Jakub – die Highlight-Folge war das Gespräch mit Dr. Wolfgang W. Böllhoff. Der seinerzeit 90-jährige Ehrenbeiratsvorsitzende konnte aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten – und begegnete der Auszubildenden auf Augenhöhe. Lauras Nachfolge trat Kim Kornalewski an, die ihren eigenen Moderationsstil einbrachte. Insgesamt sind bereits 36 Folgen entstanden, in denen Führungskräfte, internationale Kolleginnen und Kollegen und Auszubildende über ihre Arbeit und persönlichen Wege bei BÖLLHOFF sprechen. Besonders bemerkenswert: Die durchschnittliche Verweildauer auf der Podcast-Landingpage liegt bei fünf bis sechs Minuten – ein deutlicher Hinweis darauf, wie intensiv sich Interessierte mit den Inhalten beschäftigen. Auch in den sozialen Medien zeigt sich der Effekt: Beiträge zu neuen Podcastfolgen erreichten 2025 auf LinkedIn fast 2.000 Impressions pro Post bei einer zweistelligen Engagement-Rate – für einen Corporate Account ein überdurchschnittlich starker Wert. „Ein Podcast schafft etwas, das kaum ein anderes Format leisten kann“, sagt Michael Lorenz. „Menschen hören wirklich zu – und lernen ein Unternehmen dabei authentisch kennen.“

Mitarbeitende sind Markenbotschafter

Als dritter Baustein entstand schließlich ein Corporate-Influencer-Programm. Mitarbeitende werden dabei gezielt unterstützt, ihre beruflichen Themen auf LinkedIn sichtbar zu machen – freiwillig und mit klaren Richtlinien und Grenzen, aber sehr viel persönlichem Spielraum. Über einen Teams-Kanal können sich die Corporate Influencer untereinander austauschen und gegenseitig Feedback einholen, ob beispielsweise ein Posting passend ist. „Wir haben einfach gefragt, wer von unseren Mitarbeitenden Lust hätte, das zu machen. Einige mit einem LinkedIn-Account haben wir gezielt angesprochen“, berichtet Frank Nientiedt. Die ausgewählten Corporate Influencer wurden wie auch die Moderatorinnen des Podcasts sowie die Azubis, die den Instagram-Kanal betreuen, entsprechend geschult. Auch hier zahlte sich die Entscheidung aus, mit KUNDENFOKUSSIERT gezielt externe Expertise ins Boot zu holen. Ebenso wie der Mut, (jungen) Mitarbeitenden zu vertrauen. Oder, wie es Frank Nientiedt treffend zusammenfasst: „Employer Branding funktioniert dann am besten, wenn man Menschen zutraut, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.“

Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin c/o Tips-Verlag

Fotos: Sarah Jonek, Sarah Jonek Fotografie – Fotografin aus Bielefeld, LinkedIn-Profil