4. November 2026 | IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh GmbH
Marketing ohne Maske – vom Fuck-up zum Follow-up
Marketing ohne Maske Vol. 2 (v.l.hinten): Matthias Vinnemeier, IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh, Daniel Klarohorst, BEKLAR GmbH, GmbH, Thorsten Ising (v.l.vorne): Sabine Schoner mit Kristina Herrmann, Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V., Katja Aries, IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh GmbH, Tamara Lifke, TMC Amplio GmbH (Foto: Sarah Jonek)
Vom Pain zum Monday Tool
Was läuft im Marketing schief – und wie lässt sich daraus etwas machen? Unter diesem Motto trafen sich Mitglieder und Gäste des Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V. in der IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh GmbH zur zweiten Ausgabe von „Marketing ohne Maske“. MC-Präsidentin Sabine Schoner freute sich über die mittlerweile zweiten Kooperationsveranstaltung der beiden Partner. Nach der ersten Fuck-up Night im März, bei der typische Herausforderungen aus der Praxis gesammelt und diskutiert worden waren, sollte es diesmal darum gehen, aus den Problemen konkrete Lösungen abzuleiten. „Was läuft nicht gut, was ist eigentlich der Kern des Ganzen – und was können wir tun?“, brachte Matthias Vinnemeier, bei der IMA für den Wissenstransfer zuständig, die Idee auf den Punkt.
Statt Probleme lediglich zu benennen, sollten die Teilnehmenden gemeinsam nach Lösungen suchen, die sich im besten Fall schon am nächsten Montag ausprobieren lassen – das sogenannte Monday Tool. Das Vorgehen gliederte sich in drei Schritte, die per Post-it auf einem Flipchart festgehalten wurden: Zunächst galt es, die Frustmomente (den Pain) zu beschreiben, anschließend die Wurzeln des Problems aufführen und schließlich pragmatische Ideen zu entwickeln.
Vier Themeninseln mit jeweils einer Moderation und einer bewusst provokanten These bildeten den Rahmen für die anschließende Arbeit. Am ersten Tisch, „The Lead Bridge“, widmete sich Kristina Herrmann, Programmplanerin des Marketing Clubs, der Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb. Denn nicht selten läuft es so: Das Marketing startet eine aufwendige Kampagne, generiert fleißig Leads und freut sich über den Erfolg. Doch im Vertrieb kommt davon wenig an. Dazu die zugespitzte These: „Leads generiert vom Marketing, Kohle verbrannt, aber Hauptsache der Vertrieb hatte einen ruhigen Tag.“
Wie Unternehmen und Agenturen besser zusammenarbeiten können, stand bei „Briefing-Mastery“ im Mittelpunkt. Tamara Lifke von TMC Amplio aus Paderborn moderierte die Runde. Dabei ging es um Erwartungen, Kommunikation und die Frage, wie aus einem Auftrag ein gemeinsames Verständnis für Ziele und Vorgehensweise entsteht. Denn unklare Briefings können teuer werden – und zwar für beide Seiten. Das provokante Motto: „Wir wussten zwar nicht, was wir wollten, aber die Agentur hat es für 500.000 Euro perfekt umgesetzt.“
Daniel Klarhorst, Geschäftsführer der BEKLAR GmbH aus Bielefeld, widmete sich am dritten Tisch beim „Process Hacking“ den Abläufen im Unternehmen – vom ersten Kundeninteresse bis zur Rechnungsstellung. Wie lassen sich Prozesse im Mittelstand sinnvoll gestalten, ohne sie unnötig kompliziert zu machen? Wo gehen Informationen verloren, an welchen Schnittstellen hakt es und welche Tools können tatsächlich helfen? Die Ausgangsthese brachte so manche Alltagserfahrung auf den Punkt: „Prozesse haben wir. Die heißen: ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ und ‚Frag mal den Björn‘.“
Am vierten Tisch ging es um „AI & Recht“. Thorsten Ising, Experte für digitale Kommunikation und Social Media, beschäftigte sich mit den rechtlichen Risiken beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Denn KI-Tools sind längst im Arbeitsalltag angekommen, doch nicht jeder kennt die Spielregeln. Wer darf was mit welchen Daten machen? Was gilt für Urheberrechte und Kennzeichnungspflichten? Und wer trägt am Ende die Verantwortung? Die provokante These: „Alle reden wie beim Amt des Bundestrainers mit, aber am Ende zahlt der Chef die Abmahnung.“
Vom Problem zur Idee
Nach der Vorstellung der Themen ging es an die Arbeit. An vier Tischen diskutierten die Teilnehmenden jeweils rund 35 Minuten lang ihre Erfahrungen, benannten konkrete Probleme und suchten nach deren Ursachen. Auf Plakaten und mit bunten Post-its wurden Gedanken gesammelt, sortiert und weiterentwickelt. Nach einer kurzen Getränkepause wechselten die Gruppen die Tische. So kamen neue Perspektiven hinzu, andere konnten bereits begonnene Diskussionen aufgreifen und weiterdenken. Der Vorteil: Jeder konnte sich mit zwei Themen intensiver beschäftigen und zugleich von den Erkenntnissen der anderen profitieren. Im Mittelpunkt stand dabei ausdrücklich der offene Erfahrungsaustausch.
Am Ende des Abends waren zahlreiche bunte Post-its beschrieben, Erfahrungen geteilt und konkrete Ideen gesammelt. Die Ergebnisse wurden anschließend in komprimierter Form vorgestellt. Dabei zeigte sich: So unterschiedlich die vier Fragestellungen zunächst erschienen, so ähnlich waren die Ursachen vieler Probleme. Fehlende Kommunikation, unklare Zuständigkeiten, mangelnder Wissenstransfer und unterschiedliche Erwartungen zogen sich wie ein roter Faden durch den intensiven Austausch. Auch das Thema KI spielte dabei nicht nur am vierten Tisch eine Rolle, sondern beschäftigte die Teilnehmenden themenübergreifend.
Beim Thema AI und Recht zeigte sich ein Spannungsfeld zwischen Unsicherheit und einer gewissen Sorglosigkeit im Umgang mit den neuen Möglichkeiten. „Vielen fehlt das Wissen darüber, welche rechtlichen Anforderungen gelten und welche Kompetenzen im Unternehmen notwendig sind“, betonte Thorsten Ising. Entscheidend sei, genau zu prüfen, welche KI-Tools tatsächlich einen Mehrwert bieten. „Prozess vor Tool“, lautete das Stichwort auf dem Post-it. Zudem sollten Mitarbeitende geschult und Führungskräfte stärker einbezogen werden. Der Aufbau entsprechender Kenntnisse müsse auf allen Ebenen stattfinden.
Beim Process Hacking wurde deutlich, wie viel Wissen in den Köpfen einzelner Mitarbeitender steckt – und wie schnell es verloren gehen kann. Prozesse würden häufig routinemäßig abgearbeitet, ohne sie nachvollziehbar zu dokumentieren oder mit anderen zu teilen. „Ein erster, ganz konkreter Schritt für den kommenden Montag: die eigenen Abläufe aufschreiben und für alle zugänglich machen“, fasste Daniel Klarhorst eine Idee zusammen. „Möglichst so einfach, dass es auch ein zehnjähriges Kind verstehen würde.“ „Einfach machen ist kompliziert“, lautete eine Erkenntnis der Runde. Weniger Komplexität könnte vieles erleichtern.
Auch bei der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Agenturen erwies sich Kommunikation als entscheidender Schlüssel. „Unterschiedliche Erwartungen, Informationsverluste und Missverständnisse führten immer wieder zu verfehlten Zielen und unnötig verbrauchten Budgets“, schilderte Tamara Lifke das Problem. Unternehmen sollten deshalb ihre Ziele und Erwartungen klar formulieren. Agenturen wiederum seien gefordert, genau nachzufragen und ein gutes Erwartungsmanagement zu betreiben. Ein Rebriefing könne unterstützen, Missverständnisse frühzeitig auszuräumen und beide Seiten auf ein Ziel einzuschwören. Oder, wie es in der Runde hieß: „KI hin oder her – es ist einfach die menschliche Kommunikation, die Empathie und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, die es unbedingt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit braucht.“
Auch an der Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb zeigte sich, wie wichtig ein regelmäßiger Austausch ist. Das Denken in getrennten Abteilungen (Silos) wurde als zentrales Problem identifiziert. Statt jeweils eigene Vorstellungen zu verfolgen, sollten beide Bereiche enger zusammenarbeiten. Ein Vorschlag: quartalsweise Abstimmungen, bei denen das Marketing über geplante Kampagnen berichtet und der Vertrieb seine Erfahrungen aus dem Markt und mit den Kunden einbringt. Auch gemeinsame Kundenbesuche könnten dazu beitragen, die Perspektive der jeweils anderen Seite besser zu verstehen. Das Fazit der Runde brachte es schließlich auf den Punkt: „Reden hilft.“
Eine weitere wichtige Erkenntnis an diesem Abend war, dass die meisten Hürden nicht durch noch ein neues Tool oder einen komplizierteren Prozess verschwinden. Oft braucht es vor allem den Mut, Dinge offen anzusprechen, Fragen zu stellen und Wissen miteinander zu teilen. Aus dem Fuck-up wurde so ein Follow-up mit wertvollen Impulsen für die tägliche Arbeit. Die vielen unterschiedlichen Themen wurden im anschließenden Get-together bei einem leckeren Imbiss weiter vertieft.
Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin; eike.birck@tips-verlag.de
Fotos: Sarah Jonek, www.jonek-fotografie.de













































