20. Juli 2026 | Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Bielefeld e. V., Ernst-Rein Straße 53, 33613 Bielefeld
Engagement stärkt Führungskompetenzen
von links: Kristina Herrmann (Programmplanerin Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V., Dorothee Redeker und Nadine Klocke (Kinderschutzbund Bielefeld) sowie Sabine Schoner (Präsidentin Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V.) Foto: Sarah Jonek
Was uns verbindet
(Bielefeld, 20. Juli 2026)
Was haben Patenschaften für Kinder mit Führungskompetenzen zu tun? Eine ganze Menge – und noch viel mehr. Dorothee Redeker und Nadine Klocke vom Kinderschutzbund Bielefeld zeigten bei der Veranstaltung des Marketing Clubs, wie gelebtes CSR-Engagement Ehrenamtliche wachsen lässt. Patenschaft kann zum Purpose werden, von dem alle profitieren: Kinder und Jugendliche, Patinnen und Paten, Arbeitgebende und letztlich die gesamte Gesellschaft.
Zu Gast beim Kinderschutzbund Bielefeld erhielten die Teilnehmenden nicht nur Einblicke in die Arbeit des Vereins, sondern auch in die Menschen, die sich tagtäglich mit großem Engagement für Kinder und Jugendliche einsetzen. Seit 1969 setzt sich der Ortsverband für deren Rechte sowie den Schutz vor Benachteiligung, Ausgrenzung und Gewalt ein. Rund 15 hauptamtliche Fachkräfte und fast 200 Ehrenamtliche engagieren sich in vielfältigen Projekten – getragen von der Überzeugung, dass jedes Kind die Chance auf ein gutes Aufwachsen verdient.
Mit viel Herzblut führten Geschäftsführerin Dorothee Redeker, Rechtsanwältin und Mediatorin, sowie Sozialpädagogin Nadine Klocke, Leiterin der MiniKanu-Patenschaften, durch den Abend. Schnell wurde klar: Dies war kein klassischer Vortrag, sondern ein lebendiger Austausch. Häufig meldeten sich die Gäste mit Fragen und Erfahrungen zu Wort. Es wurde diskutiert, gelacht und nachgedacht – ein Thema, das sichtbar berührte.
Im Mittelpunkt standen die Patenschaftsprojekte des Kinderschutzbundes. Sie richten sich an Kinder und Jugendliche, die von einer zusätzlichen verlässlichen Bezugsperson profitieren können. Mitunter fehlen Familien Zeit oder Ressourcen, in anderen Fällen erschweren belastende Lebenssituationen oder psychische Erkrankungen den Alltag. Patenschaften schaffen hier wertvolle Eins-zu-eins-Zeit, eröffnen neue Erfahrungen und stärken Kinder in ihrer Entwicklung.
Verlässliche Bezugsperson
Wer Patin oder Pate werden möchte, braucht keine pädagogische Ausbildung, sondern vor allem Zeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich auf ein Kind einzulassen. Vor Beginn bereiten Schulungen zu Kommunikation, Kinderschutz, Erster Hilfe und weiteren Themen auf die Aufgabe vor. Während der gesamten Patenschaft begleitet der Kinderschutzbund die Ehrenamtlichen mit Austauschtreffen und steht jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. „Kenntnisse bleiben nicht auf der theoretischen Ebene, sondern die Patin oder der Pate kommen direkt ins Tun“, beschreibt Nadine Klocke den Ansatz. Die Fähigkeiten werden unmittelbar im Alltag erprobt und wachsen mit jeder Begegnung.
Damit aus zwei Menschen ein gutes Team wird, braucht es Fingerspitzengefühl. Fragebögen, Kennenlerngespräche und persönliche Eindrücke fließen in die Vermittlung ein – manchmal entscheidet auch Nadine Klockes Erfahrung und Bauchgefühl über das Match. Begleitet werden Kinder zwischen null und 14 Jahren, viele Patenschaften bestehen weit über das ursprünglich geplante Jahr hinaus. Für Jugendliche ab 16 Jahren gibt es zudem das Projekt „Junge Patenschaften“, das früh an gesellschaftliches Engagement heranführt.
Einmal pro Woche verbringen Patin oder Pate und Kind Zeit miteinander – ganz individuell. Sie spielen Fußball, backen, basteln oder entdecken gemeinsam Hobbys, die den Kindern bislang unbekannt waren. Oft entstehen dabei kleine Momente mit großer Wirkung. Für viele Kinder ist es etwas Besonderes, eine verlässliche Bezugsperson außerhalb der Familie zu haben, die sich ganz bewusst Zeit nur für sie nimmt.
Führung beginnt mit Zuhören
Oft schlugen die Referentinnen den Bogen zur Arbeitswelt. Denn was in einer Patenschaft selbstverständlich erscheint, ist auch für gute Führung entscheidend: aufmerksam zuhören, Vertrauen aufbauen, Konflikte lösen, Bedürfnisse erkennen und sich selbst hinterfragen. „Kommunikation ist das A und O“, betonte Nadine Klocke. Dabei gehe es nicht nur um das Gesagte, sondern auch um das, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Gemeinsam mit Dorothee Redeker erläuterte sie das Bild des Eisbergs: Sichtbar sei oft nur ein kleiner Teil, während Gefühle, Erfahrungen und Bedürfnisse unter der Oberfläche verborgen blieben. Genau diese wahrzunehmen, sei eine der wichtigsten Kompetenzen – in Patenschaften ebenso wie im Berufsleben.
„Die Kinder spiegeln euch noch einmal ganz anders“, erklärte Dorothee Redeker. Kinder reagierten unmittelbar und ehrlich. Sie hielten Erwachsenen einen Spiegel vor, der manchmal unbequem sein könne, zugleich aber die Chance biete, das eigene Verhalten zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Authentizität spiele dabei eine entscheidende Rolle. „Man soll sich nicht verbiegen“, sagte sie. Gerade Kinder spürten sehr genau, ob ihr Gegenüber echt sei.
Führung wächst im echten Leben
Besonders deutlich wurde, wie viel Führung mit Beziehung zu tun hat. Patin oder Pate lernen, sich auf neue Situationen einzulassen, zuzuhören, Vertrauen aufzubauen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn es einmal schwierig wird – Fähigkeiten, die sich kaum in einem Seminarraum trainieren lassen. „Man kann viele Kommunikationsworkshops machen. Aber bei einer Patenschaft kommt man ins Tun“, brachte es Nadine Klocke auf den Punkt. Jedes Kind sei anders, jede Begegnung verlaufe anders als geplant. Genau darin liege die Chance, flexibel zu bleiben, Perspektiven zu wechseln und den eigenen Blick immer wieder zu hinterfragen.
Wie aktuell das Thema ist, zeigte der intensive Austausch mit den Gästen. CSR ende nicht bei einer Spende oder einem Social Day. Nachhaltig wird gesellschaftliches Engagement dort, wo Menschen langfristig Verantwortung übernehmen – und dabei selbst wachsen.
Patenschaften sind auf Dauer angelegt, geben Kindern Stabilität und eine verlässliche Bezugsperson außerhalb ihres familiären Umfelds. Gleichzeitig stärken sie Selbstvertrauen, Resilienz und Zukunftschancen. Dabei gilt immer: Vertrauen wächst Schritt für Schritt – und die Patenschaft ist sowohl für die Kinder als auch für die Ehrenamtlichen freiwillig. Nur so kann eine Beziehung entstehen, die trägt.
Ein Gewinn für alle
Was Kinder durch eine Patenschaft gewinnen, liegt auf der Hand. Mindestens genauso spannend ist jedoch der Mehrwert für die Ehrenamtlichen. Wer sich regelmäßig auf die Lebenswelt eines Kindes einlässt, erweitert den eigenen Horizont, lernt andere Perspektiven kennen und entwickelt Kompetenzen, die weit über das Ehrenamt hinausreichen.
„Der Arbeitgebende profitiert von einem Menschen, der sich selbst reflektiert“, sagte Dorothee Redeker. Wer Verantwortung in einer Patenschaft übernimmt, wachse an dieser Aufgabe und entwickle ein tieferes Verständnis für Kommunikation, Konfliktlösung und Beziehungsarbeit – Fähigkeiten, die auch im Berufsleben immer wichtiger werden.
Als gemeinnütziger Verein ist der Kinderschutzbund auf Unterstützung angewiesen. Neben weiteren Patinnen und Paten wünscht sich Dorothee Redeker vor allem mehr Offenheit seitens der Unternehmen: „Eine anteilige Freistellung der Patinnen und Paten durch die Arbeitgebenden, etwa eine halbe Stunde in der Woche, wäre sehr hilfreich.“ Ebenso könne sie sich gut vorstellen, die Patenschaftsprojekte direkt in Unternehmen vorzustellen und so weitere Menschen für dieses besondere Ehrenamt zu gewinnen.
Die Patenschaftsprojekte des Kinderschutzbundes zeigen eindrucksvoll, dass gesellschaftliches Engagement und persönliche Entwicklung Hand in Hand gehen. CSR wird damit zu mehr als einer Strategie – sie wird gelebte Verantwortung mit nachhaltiger Wirkung.
Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin; eike.birck@tips-verlag.de
Fotos: Sarah Jonek, www.jonek-fotografie.de







































