10. Juni 2026 | Leinewebersaal, Am Hofbräu am alten Rathaus, Niederwall 25, 33602 Bielefeld
MarketingFrauen Stammtisch
Marketing Frauen Stammtisch des Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V. (v.l.: Josephin Ulrich, Leitung Unternehmenskommunikation BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER mit Sabine Schoner, Präsidentin und Kristina Herrmann, Programmplanerin des Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V. )
Zwischen souverän und sprachlos:
Wie wir in herausfordernden Situationen professionell bleiben ohne uns selbst zu verlieren
Sprachlosigkeit souverän überwinden
(Bielefeld, 10. Juni 2026) Kristina Hermann, Programmplanerin und Initiatorin des Stammtisches der MarketingFrauen, Marketing Club Ostwestfalen-Lippe e. V. , lud zur bereits sechsten Ausgabe in den Leinewebersaal des Hofbräu am Alten Rathaus Bielefeld. In bewährter Manier wurde der Abend mit einem Impulsvortrag als Icebreaker eröffnet. Josephin Ulrich, Leiterin Unternehmenskommunikation der BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER, referierte darüber, wie wir in herausfordernden Situationen professionell bleibt, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
Zu Beginn versetzte sie die Zuhörerinnen in eine bekannte Situation. In einem Meeting hat man gerade 30 Minuten lang zu einem Thema gesprochen, vielleicht eine neue Marketingkampagne vorgestellt. Und dann kommt plötzlich die Frage aus dem Vertrieb: „Kannst du mir das für meine Kunden in zwei Sätzen zusammenfassen?“ Eine Drucksituation entsteht. Obwohl die Frage in sachlichem Ton formuliert wurde, verändert sich die Atmosphäre im Raum schlagartig.
Genau solche Momente kennt nahezu jede berufstätige Frau. Man möchte souverän reagieren, die passende Antwort liegt einem vermeintlich auf der Zunge und dennoch bleibt sie aus. Statt Schlagfertigkeit macht sich Sprachlosigkeit breit. Für Josephin Ulrich ist das jedoch kein Zeichen mangelnder Kompetenz, sondern eine völlig normale Reaktion auf Druck. Der Körper schaltet in einen Alarmmodus: Die Atmung wird flacher, die Stimme gepresster, manche Menschen sprechen schneller, andere ziehen sich zurück oder werden rot. „Unter Druck verlieren wir häufig den direkten Zugriff auf unsere Klarheit“, erklärte die Kommunikationsexpertin. Das bedeute jedoch nicht, dass man in diesem Moment die perfekte Antwort parat haben müsse. Vielmehr gehe es darum, sich zunächst selbst zu stabilisieren.
Stabilisierungsstrategien
Dabei betrachtete Josephin Ulrich Kommunikation auf drei Ebenen. Die erste ist die innere Ebene: Was empfinde ich gerade? Die zweite ist die Wirkungsebene: Wie wirke ich auf andere? Denn häufig nehmen Außenstehende Unsicherheit deutlich weniger wahr, als die Person selbst, die sich in der Drucksituation befindet. Hinzu kommt die Ebene des Kontextes. Hier spielen Hierarchien, Unternehmenskultur, persönliche Beziehungen und unausgesprochene Erwartungen eine Rolle. Die vermeintlich sachliche Frage eines Kollegen/einer Kollegin kann dadurch plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.
Während sich der Kontext oft nur bedingt beeinflussen lässt, habe jede und jeder die Möglichkeit, die eigene Reaktion zu steuern. Der erste Schritt beginnt laut Josephin Ulrich beim Körper. Ein stabiler Stand mit beiden Beinen auf dem Boden, eine aufrechte Haltung und bewusst gesenkte Schultern sorgen dafür, dass die Stimme wieder Raum bekommt. Als zweiter Anker dient die tiefe Bauchatmung. Sie hilft dabei, das Nervensystem zu beruhigen und die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen.
Ebenso wichtig sei es, sich Zeit zu nehmen. „Die Pause ist eines der wirkungsvollsten rhetorischen Mittel, die wir haben“, betonte Josephin Ulrich. Statt sofort zu antworten, könne es hilfreich sein, einen Moment der Stille auszuhalten, bewusst durchzuatmen und die Gedanken zu sortieren. Häufig entstehe der empfundene Zeitdruck vor allem im eigenen Kopf. Wer sich die Erlaubnis gibt, kurz nachzudenken, wirkt keineswegs unsicher, sondern reflektiert und steigert seine Professionalität.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Druck durch sachliche Gegenfragen zurückzugeben. So könne aus einer herausfordernden Situation wieder ein Dialog auf Augenhöhe entstehen. Entscheidend sei dabei stets der Tonfall. Gerade wenn andere emotional oder sogar provozierend reagieren, zahle sich Sachlichkeit aus. Wer ruhig bleibt und nicht in dieselbe Emotionalität verfällt, behält die Gesprächsführung und gewinnt an Souveränität.
Die Haltung zählt
Besonders eindrücklich schilderte Josephin Ulrich dabei auch eigene Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Berufspraxis. Als junge Kommunikationsmanagerin habe sie lange versucht, „unter dem Radar“ zu bleiben. Heute weiß sie, dass beruflicher Erfolg nicht zwangsläufig von mehr Wissen oder perfekter Vorbereitung abhängt. Viele Frauen stellten besonders hohe Ansprüche an sich selbst und setzten sich dadurch zusätzlich unter Druck. Doch genau dieser Perfektionsanspruch werde häufig zum eigentlichen Hindernis.
Ihre zentrale Botschaft lautete daher:
Professionelles Auftreten beginnt nicht im Kopf, sondern bei der eigenen Haltung. Körper, Gedanken und Kommunikation bilden eine Einheit. Wer lernt, sich selbst zu stabilisieren, kann auch in herausfordernden Situationen klar, präsent und überzeugend bleiben.
Der interaktive Impulsvortrag traf offensichtlich einen Nerv. Viele Teilnehmerinnen berichteten von ähnlichen Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag. Entsprechend lebhaft entwickelte sich die anschließende Diskussion, die zahlreiche Anknüpfungspunkte für den weiteren Austausch bot. Beim gemeinsamen Netzwerken wurde noch lange über Kommunikation, Sichtbarkeit und den souveränen Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen gesprochen. Ganz im Sinne des MarketingFrauen Stammtisches, der auch bei seiner sechsten Ausgabe wieder Raum für Inspiration, persönliche Entwicklung und wertvolle Kontakte bot.
Text: Eike Birck, Freie Autorin und Journalistin; eike.birck@tips-verlag.de
Fotos: Sarah Jonek, www.jonek-fotografie.de
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